Quizfrage für Veteranen

Spielt Ihr seit vielen Jahren Rollenspiele? Würdet Ihr Euch als Veteranen bezeichnen, als richtig alte Hasen?

Dann solltet ihr diese Quizfrage beantworten können. Woher stammen diese Counter?

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Wozu diese Counter einmal gedient haben, ist relativ offensichtlich. Aber was wir wissen wollen, ist: Welchem Spiel lagen sie bei und warum? Und wie nannte man sie?

Auflösung

Die  Dinger heißen „Chits“ und stammen aus der Basisbox von „Dungeons & Dragons“, genauer gesagt aus der so genannten Blue Box aus dem Jahr 1978. Wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung von D&D (1974) war das erste Rollenspiel zu einem  Verkaufsschlager avanciert. Das führte dazu, dass der Hersteller TSR nicht genügend Würfel auftreiben konnte, um sie sämtlichen Boxen beizulegen.

Die ersten D&D-Würfel waren nämlich eigentlich nicht für Rollenspiele gedacht, sondern stammten von einem kalifornischen Lieferanten, der diese als Schulbedarf für Mathematiklehrer anbot (wer die Geschichte ganz genau erzählt haben möchte, sollte unser Buch „Drachenväter: Die Geschichte des Rollenspiels“ vorbestellen).

Als Notlösung legte TSR seinen Boxen deshalb die Pappcounter dabei. Hier der zugehörige Bestellcoupon, mit dem man sich richtige Würfel nachliefern lassen konnte:

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Myrmidonen und Lamas

Eines der seltsameren Details früher Ausgaben von „Dungeons & Dragons“ und „Advanced Dungeons & Dragons“  waren die Stufentitulierungen. Nicht nur besaß jede Spielfigur eine Charakterklasse und eine Stufe. Es gab zusätzlich für jedes Level einen Titel, mit dem die Charaktere angesprochen worden. Oder auch nicht. Soweit ich mich entsinnen kann, wurde an keiner Stelle des Spiels erklärt, wie diese Titel eigentlich zu verwenden waren.

Hatte ein Krieger der dritten Stufe irgendwelche Litzen oder Abzeichen auf seiner Schulter, die Fremden zeigten, welche Stufe er besaß? Und wenn man von der fünften auf die sechste Stufe aufstieg, wie genau änderte sich dann der Titel? Kam jemand vom  Bundesamt für Heldenklassifizierung vorbei und händigte einem eine Urkunde mit dem neuen Titel aus?

Für jede Charakterklasse gab es eine Titelliste. Da es sich je Charakterklasse um 10-15 Titel handelte, passierte das Unvermeidliche: Irgendwann gingen den Spieledesignern die sinnvollen Bezeichnungen aus. Auch in einer vielfältigen, vokabelreichen Sprache wie dem Englischen gibt es eben nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten „Krieger“ oder „Priester“ zu sagen. Der erststufige Kämpfer in OD&D hieß (kontraintuitiverweise)  Veteran, dann Warrior (2), Swordsman (3) und Hero (4). Danach wurde es absurder. In der siebten Stufe hieß der Krieger beispielsweise Myrmidone.

Nicht viel besser erging es hochrangigen Priestern, die sich irgendwann Lamas nennen durften (mussten?). Am meisten wanden sich Designer beim Assassinen, für den es schlichtweg nicht so viele alternative Bezeichnungen gibt: Bravo (1), Rutterkin (2) und Waghalter (3) sind eher suboptimal.

Bei D&D folgte auf die ganzen seltsamen Titel irgendwann das so genannte Name Level. Hatte eine Spielfigur dieses erklommen, durfte sie sich endlich ein Schloss, einen Magierturm oder eine Diebesgilde bauen. Warum sie dies, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, vorher nicht durfte, war nirgendwo erklärt. War halt so.

Die vollständige Liste der wunderlichen Titulierungen findet Ihr hier:

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Quelle: Wizards of the Coast

Bonus Fact:  Im beliebten Facebook-Spiel „Farmville“ gibt es zwar nur eine Charakterklasse – den Bauern. Diese hat aber insgesamt  100 Stufen.  Für jede gibt es eine Level-Titulierung. Eine kleine Auswahl: Kinderfarmer (2), Green Giant (20), Old Mc-Who?? (62) und Omnipotent Agriculturalist (100).

 

Das Schwarze Auge, anno 1985

Bei unserer Suche nach alten Fotos zur Geschichte des Rollenspiels stoßen wir immer wieder auf längst vergessenen Schätzchen,  wie dieses hier.

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Das Foto stammt aus dem Jahr 1985 und wurde während einer Pressekonferenz auf der Nürnberger Spielwarenmesse  gemacht. „Mensch ärgere dich nicht!“ ist 75 geworden
und die neuen Titel  des deutschen Rollenspiels „Das Schwarze Auge“ (u. a. Abenteuer Ausbau-Spiel, hinten an der Wand) werden vorgestellt.

Die Personen, v.l.n.r: Jürgen Stöhr (Geschäftsführer Schmidt Spiel + Freizeit), Ulrich Kiesow (DSA-Miterfinder), Werner Fuchs (DSA-Miterfinder), Ernst Pohle (Schmidt Spiele).

Die Qualität des Bildes ist leider bescheiden. Falls ihr alte Fotos von Spielemessen, conventions oder anderen Veranstaltungen habt, dann meldet euch bei uns.

Bildcredit: Werner Fuchs

Rolemaster, das Rollenspiel für Wirtschaftsprüfer

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In einem deutschen Spielekatalog wurde das amerikanische Rollenspiel „Rolemaster“ (RM) Mitte der achtziger als „Rolls Royce unter den Rollenspielen“ bezeichnet. Kein anderes System hatte mehr Zaubersprüche (alleine in der Basisausgabe mehrere tausend), mehr Fertigkeiten, und mehr Schadenstabellen.

Überhaupt mehr Tabellen: Während Fans des Spiels die komplexen detailgetreuen Regeln lobten, verspotteten RM-Hasser das Spiel als „Rulemaster“ oder „Tablemaster“. Wenn man sich diese Fertigkeitstabelle anschaut, ahnt man, warum:

 

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Zur Erklärung: Bei RM  bekam jeder Charakter Entwicklungspunkte, mit denen er so genannte Ranks in Fertigkeiten erwerben konnte. Bei über 200 Fertigkeiten und Dutzenden von Charakterklassen ergab das eine ordentliche Tabelle. Dieser Auszug aus dem „Rolemaster Companion II“ zeigt lediglich eine Seite, insgesamt zog sich die Tabelle über acht Seiten.