FAQ zum Drachenväter-Crowdfunding

Welche Quellen wertet Ihr aus? Welche Literatur habt Ihr verwendet?

Wir verwenden ein breites Spektrum von Primär- und Sekundärquellen. Dazu gehören beispielsweise alte Ausgaben von Spielezeitschriften wie Dragon, White Dwarf oder Alarums & Excursions, vorhandene Interviews mit Spieledesignern, alte Zeitungsartikel oder Radiobeiträge, aber auch die Spiele selbst (wir haben den Großteil des alten Zeugs im Original vorliegen). Dazu kommt Sekundärliteratur zum Thema Spiele und fantastischer Lliteratur von Howard bis Tolkien und von Lovecraft bis Rice.

Habt Ihr Interviews geführt?

Wir haben um die 40 Interviews geführt. Unter anderem mit:

  • Baur, Wolfgang
  • Cook, Monte
  • Dancey, Ryan S.
  • Franke, Elsa
  • Franke, Jürgen
  • Fuchs, Werner
  • Garriott, Richard
  • Hickmann, Tracy
  • Jackson, Steve
  • Livingstone, Ian
  • Loomis, Rick
  • Lukschandl, Eduard
  • Malmberg, Frederik
  • Perrin, Steve
  • St. Andre, Ken
  • Weis, Margaret
  • Zocchi, Lou

Wie akademisch wird Euer Buch? Gibt es Fußnoten im Anhang?

Drachenväter soll ein populäres Sachbuch werden. D.h., dass wir alle verwendeten Quellen im Anhang kenntlich machen, aber nicht jede Aussage mit einer wissenschaftlich korrekten Fußnote versehen. Das Buch soll inhaltlich und sachlich so präzise und korrekt wie möglich sein, gleichzeitig aber leicht zugänglich bleiben und unterhalten.

Wie nerdig wird Euer Buch?

So nerdig, dass hoffentlich selbst langjährige Rollenspieler darin Anekdoten und Geschichten entdecken, die sie noch nicht kennen. Gleichzeitig soll das Ganze aber auch für den allgemein am Thema interessierten Nicht-Rollenspieler verständlich sein. Ausführliche Berichte über Follow, Diplomacy, die Entstehung von Das Schwarze Auge und die Herkunft des Stadtnamens Gareth wird es geben – eine Betrachtung der Unterschiede der Kampfsysteme von DSA 2 und DSA 3 eher nicht.

Kommt mein System XYZ vor?

Wer sich an die Hochphase in den Achtzigern erinnert, weiß, dass es damals weit über hundert Systeme gab. Wir werden (leider!) nicht alle beleuchten können. Im Fokus steht bei den angelsächsischen Rollenspielen natürlich die Geschichte von D&D, bei den deutschen die von Midgard und Das Schwarze Auge. Es wird außerdem ein Kapitel mit Porträts weiterer wichtiger oder außergewöhnlicher Systeme geben darunter Empire of the Petal Throne, Traveller, Shadowrun, Vampire, Paranoia oder Call of Cthulhu.

Warum heißt das Buch Drachenväter?

Der Titel geht zurück auf einen Artikel, den Konrad nach dem Tod des D&D Miterfinders Dave Arneson schrieb. Der hieß “Der Drachenvater”.

Ursprünglich waren auch noch andere Titel im Gespräch, aber wir fanden, dass der am besten passt. Schließlich geht es um einige verträumte Kindsköpfe, die durch ihre Fantasie und ihre Liebe zu Spielen etwas völlig Neues geboren und aufgepäppelt haben – D&D und damit alles, was danach kam. Womit wir übrigens keineswegs andeuten wollen, dass es nicht auch großartige Drachenmütter gibt  wie etwa Elsa Franke, Margaret Weis oder Liz Danforth.

Warum steht die gedruckte Ausgabe von Drachenväter im Mittelpunkt?

Wir haben uns wirklich lange mit der Frage beschäftigt, ob man heutzutage überhaupt noch gedruckte Bücher machen soll. Wenn wir das Projekt rein digital abwickelten, wäre auf den ersten Blick ja alles viel einfacher: Vertrieb, Auslieferung Produktionskosten.

Auf den zweiten Blick ist es aber deutlich komplizierter. Wer sich schon mal einen Comic oder ein bebildertes Sachbuch für den Kindle gekauft hat, weiß, dass das eine ziemlich traurige Angelegenheit ist und nicht viel Spaß macht. Für reinen Text sind digitale Formate inzwischen spitze. Für ein Coffee Table Book zum Entdecken und Schmökern sind gedruckte Bücher aber unserer Ansicht immer noch viel besser geeignet.

Eine komplett eigene App zu bauen, die das Coffee-Table-Book-Feeling rüberbringt, ist extrem schwierig  (manche würden sogar sagen, dass dies noch niemandem gelungen ist), würde viel mehr Geld kosten und dann auch noch all jene ausschließen, die kein 10-Inch-Tablet besitzen. Deshalb setzen wir auf Print. WIr haben nur beim Crowdfunding die Chance, so ein Ding zu finanzieren – wenn viele vorbestellen, wird die gedruckte Ausgabe finanzierbar. On-Demand-Digitaldruck käme deutlich teurer.

Wir werden natürlich trotzdem digitale Versionen produzieren, die allerdings optisch deutlich weniger opulent sein werden. Wir arbeiten da mit Profis zusammen, die viele E-Book-Umsetzungen machen. Wer die Digitalausgabe möchte, bekommt sie für einen geringen Aufpreis dazu.

Gibt es Mengenrabatt?

Uns leuchtet natürlich sofort ein, dass eine Rollenspielrunde mit fünf Personen auch fünf Drachenväter-Bücher braucht. Es gibt deshalb ein entsprechendes, rabattiertes Dankeschön – Fünferpack zum Vorzugspreis.

Wird es das Buch später auch im regulären Buchhandel geben?

Vielleicht, aber auf keinem Fall zu diesem Preis. Dahinter steht keine fiese Marketingstrategie, sondern die hässliche Realität des Buchdrucks. Wenn man einen Haufen Vorbestellungen hat und eine größere Stückzahl druckt, sind die Kosten pro Buch relativ niedrig, weil man mit anderen Verfahren drucken kann. Wenn man im Digitaldruck später auf Nachfrage einzelne Exemplare nachdrucken lässt, sind diese deutlich teurer. Bei einem durchgehend vierfarbigen Buch mit über 300 Seiten und vielen Fotos können das schnell 60 oder 70 Euro sein. Und das wäre dann der Preis, zu dem wir die bekämen – und der Buchhändler will ja auch noch was verdienen.

Erste Rollenspielrunden

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Meine erste Runde spielte ich in der achten oder neunten Klasse, Samstagmittag im Keller eines Kollegen aus meiner Stufe. Er war sitzen geblieben, in seiner Ex-Klasse spielte die Metal-Fraktion AD&D, DSA galt als nicht so schick. Es war ein ganz simples Abenteuer, begann in einer Taverne, führte schnell ins Dungeon. Ich war gerade sehr Dragonlance-geprägte und spielte einen von Raistlin inspirierten Magier. Bei der Charaktererschaffung war ich naiv aufs Rollenspielen aus und verteile und modifizierte meine Attribute ganz Raistlin-like (schwache Konstitution, kaum Stärke etc.).

Der DM war streng (eine Runde für Anfänger aus der Stufe darunter!), aber nicht unfair. Als ich tatsächlich eine verschlossene Truhe mit einem Zauber aufbrennen wollte (jaja), ließ er mich machen, an der Folgen der da unten dann doch allzu gut brennenden Angelegenheit verreckte mein Raistlin dann nicht, er war nur ziemlich fertig und die Robe angeschmort.

Als ich im Bus nach Hause fuhr, war ich immer noch in der Taverne (wie im Inn of the Last Home) und dem Dungeon – so nah am Gefühl beim ersten Tolkienlesen war kein Computerspiel gewesen, Lands of Lore nicht, Might & Magic nicht – AD&D war so nah am Holodeck wie ich das bis dahin nie erlebt hatte.

Woran aus euren Rollenspielrunden erinnert ihr euch?

Dieser Mann spielt alle Rollenspiele durch. Alle.

Chester Bolingbroke geht seine Leidenschaft methodisch an, man könnte auch sagen: akribisch. In einer Tabelle hat er alle Computerrollenspiele notiert, die er durchspielen will. 1191 Einträge umfasst die Liste derzeit, sie beginnt 1979 mit dem „Ultima“-Vorläufer „Akalabeth“ und endet im Jahr 2012. In den vergangen dreieinhalb Jahren hat Bolingbroke immerhin 117 der Titel durchgespielt, besprochen und in einer zweitenTabelle dokumentiert: Bewertung in zehn Kategorien, Spielzeit und Spieldauer. In insgesamt 2040 Stunden (das sind 85 Spieltage am Stück) hat er sein erstes Jahrzehnt Computerspielgeschichte geschafft. Er spielt gerade im Jahr 1990.

Hier das Stück über ihn bei Spielgel Online (Achtung! Ich lobe mich hier selbst), hier Chesters Blog CRPGaddict.

Ultima 1kl

D&D-Regeldebatten 1974

Als von D&D weltweit 1000 Boxen existieren, stand das in den Regelbüchlein:

„Inquiries regarding rules should be accompanied by a stamped envelope and sent to Tactical Studies Rules, POB 756, Lake Geneva, Wisconsin 53147.“

Dungeons & Dragons, The Underworld and Wilderness Adventures, 1974

Dungeons & Dragons, The Underworld and Wilderness Adventures, 1974

Was Walter White 1961 kochte

Walter White 1961 auf dem Cover des Fantastic Magazine – damals kochte er noch Träume in Kurzgeschichten des großen Fritz Leiber. Ach ja: Verlegt hat das Ziff-Davis – Fritz Leiber war also Autor des Verlags, der heute vor allem für IGN, Geek.com und 1UP bekannt ist. Passt ja auch irgendwie.

Unbenannt

Fritz Leiber spricht über Rollenspiele

18 Fritz Leiber Jr 1965-1966 in The Equinox_ Journey Into the Supernatural or Equinox as Dr. Arthur Waterman

Oh Internet! Ich habe gerade zum ersten Mal Fritz Leibers Stimme gehört. Er erzähle von TSR, Gary Gygax und Rollenspielen. Die Aufnahme ist 36 Jahre alt. Am 25, Februar 1977, einem Freitagabend, war Fritz Leiber beim Radiosender KPFK in Nordhollywood zu Gast. Eine Stunde lang erzählt er im Interview vom Schreiben, wie er mit Harry Fischer Fafhrd und den Grauen Mausling erfand, wie sie ein Brettspiel entwickelten, um ihre Welt Nehwon und die Stadt Lankhmar zu erleben und warum dieses Spiel Jahre später, 1976 bei Gary Gygax‘ Rollenspiel-Verlag TSR erschienen ist.

An diesem Freitagabend vor 36 Jahren hörte zum Glück der große Leiberfan Will Hart die Radiosendung. Und er zeichnete sie auf. Die Bänder bewahrte er mehr als drei Jahrzehnte lang auf, er digitalisierte sie vor ein paar Jahren, veröffentlichte den Mitschnitt in seinem Blog und so können wir heute Fritz Leiber hören. Für alle, die ungeduldig sind, ein paar Tipps:

  • ab Minute 8 erzählt Fritz Leiber, wie ihn der Briefwechsel mit Harry Fischer zum Schreiben brachte
  • ab Minute 18 erklärt Fritz Leiber, was Rollenspiele sind
  • ab Minute 30 übers Schreiben und warum Hollywood nichts für ihn ist
  • ab Minute 41 über Schach

Hier die MP3-Datei des Iterview-Mitschnitts bei Will Hart. Hier erzählt Will Hart, wie die Aufnahme zustande kam, hier bei Flickr findet man viele seiner Leiber-Fotos.

Das Farbfoto oben ist eine Szene aus dem Film „The Equinox“ von 1965, in dem Leiber eine Nebenrolle hat. Das Foto hier unten ist am Tag nach dem Radio-Interview entstanden. Beide hat Will Hart archiviert – sein Leiber-Album auf Flickr ist wirklich beeindruckend.

02 Fritz Leiber Jr at A Change of Hobbit 26-Feb-1977 01

Ein neues Logo für die Netzrasterung von NSA und BND

Als neues Symboldbild für Netz-Rasterfahnung der Geheimdienste schlage ich vor: The Beholder, ein wahrlich angsteinflößendes Monster aus der ersten „Dungeons&Dragons“-Ausgabe von 1974. Der Beholder hat viele Augen und jedes davon kann mit anderen Zaubern angreifen – so ähnlich wie die diversen Programme von NSA, BND oder GCHQ.

beholder

Die Beschreibung in der ersten OD&D-Erweiterung Greyhawk von 1974:

These monsters are also known as Spheres of Many Eyes, or as Eye Tyrants. The body of these creatures is a great globe of about 3′ in diameter. Atop it are ten eye stalks, while in the center of the spherical body is a great eleventh eye.

Und hier sein kleiner Bruder, der Spectator (vielleicht passt das besser zum BND?):

spectator

Anything for gold and experience

Monster jagen, Dungeons plündern, mächtiger werden – das ist der Weg der wahren Helden. Wird einem zumindest jeder D&D-Powergamer erzählen. In  China Mievilles Roman „Perdido Street Station“ haben die Helden, die gerade ihre Welt vor seelenraubenden Motten retten, eine ganz andere Sicht auf Abenteurer. Sie diskutieren an dieser leicht als Anspielung auf Rollenspiele zu lesenden Stelle, ob sie ein paar Abenteurer anheuern sollen:

„‚Apparently, there’s a few serious adventurers in town right now, claiming to have just liberated some major trow haul from the ruins in Tashek Rek Hai. Might be up for a little paid work.‘ Derkhan looked up. Her face creased in distaste. She shrugged unhappily. ‚I know they’re some of the hardest people in Bas-Lag,‘ she said slowly. It took some moments for her to turn her mind to the issue. ‚I don’t trust them, though. Thrill-seekers. They court danger. And they’re quite unscrupulous graverobbers for the most part. Anything for gold and experience.'“ (China Mieville: Perdido Street Station)

Wie es in der Einleitung von Tunnels & Trolls heißt:

„The higher the level and the more wealth your character attains, the better you are doing in comparison to all other players.“

Allerdings nicht in Bas-Lag.
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